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Wie viele Apfelsorten gibt es auf dem Ravensburger Markt?



Weil der Apfel in so vielen Märchen und Geschichten eine Rolle spielt, weil ich in einer der größten Apfelregionen Deutschlands lebe und weil in Ravensburg seit über 700 Jahren samstags Markt ist, habe ich heute die Probe aufs Exempel gemacht: Wie viele Apfelsorten gibt es eigentlich an einem normalen Markttag in Ravensburg zu kaufen?


An sechs Ständen habe ich gefragt – und bin zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen. Alle sechs Stände hatten die bekanntesten und beliebtesten Sorten wie Elstar, Topaz und Boskoop im Sortiment. Aber an jedem Stand habe ich wieder eine oder mehrere Sorten gefunden, die die anderen Stände nicht hatten. Sorten wie den Brettacher – er ist seit 1911 bekannt und reift nach der Ernte während der Lagerung noch aus, sodass er erst etwa ab Weihnachten verzehrfähig ist. Oder der goldgelbe Opal, der tief dunkelrote mit dem verheißungsvollen Namen Magic Star. Der Cameo, eine noch recht junge Sorte aus den USA, der Gloster – er wurde in den 50er Jahren im größten Apfelbaugebiet Deutschlands, im Alten Land gezüchtet - und dann der Natyra, eine Sorte, die ausschließlich biologisch angebaut werden darf. Sage und schreibe 32 verschiedene Sorten konnte ich alleine an diesen sechs Ständen finden.


Sehr schön fand ich die Sorte Kanzi – eine Kreuzung der Apfelsorten Gala und Braeburn. Ich habe sie an drei von den sechs Ständen angetroffen, aber ein Stand hat diesen Apfel wegen seiner fast giftig-roten Apfelbacken besonders schön als „Schneewittchen-Apfel“ präsentiert.



An einem Stand gab es den Fräulein-Apfel, eine ganz neue Sorte, die aus einer natürlichen Kreuzung als Zufallssämling in der Hildesheimer Börde entstanden ist. Über die Namensgebung kann man streiten, sie führt zu seltsam klingenden Pressetexten wie den folgenden: „Ab 2024 wird mit einer relevanten Erntemenge von 15.000 Tonnen Fräulein gerechnet“. Geschmacklich aber ist er prima.


Und dann habe ich noch erfahren, dass im Jahreslauf noch weitere Apfelsorten angeboten werden – schlecht lagerfähige Frühäpfel wie der Gravensteiner – eine rund 350 Jahre alte Sorte, Berlepsch – auch eine ältere Sorte mit hohem Vitamin C-Anteil oder die Sorte James Grieve – benannt nach seinem schottischen Züchter - sind schon ausverkauft. Mit den Sorten, die mir noch genannt wurden, komme ich schon auf 42 Sorten.


Da es heute kalt war und ich gar nicht an allen Ständen war, gibt es wohl rund ums Jahr locker 50 verschiedene Sorten Äpfel auf dem Ravensburger Markt zu kaufen – was für eine Vielfalt an Form, Geruch und Geschmack.


Alle Standbetreiberinnen und -betreiber haben sich über mein Interesse gefreut und mir erzählt – und so bin ich mit einer Tasche voller geschenkter Äpfel und vielen Geschichten zurückgekommen – vielen Dank an alle, die mein kleines Forschungsprojekt unterstützt haben.


Weitere Apfelgeschichten werden folgen.





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