Das Haus der Weisheit
- ugeuder
- 25. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Ehe ich ein Märchen erzähle, gehe ich oft auf Spurensuche nach seinen geschichtlichen Ursprüngen.
Ausgangspunkt war dieses Mal der Schauplatz des Märchens "Die Weisheit des Lebens": Eine Stadt am Ufer des Tigris, in der Gelehrte und Kundige aus der ganzen Welt zusammenkommen.

Bei der Recherche zu "Stadt am Tigris" und "Weisheit" stoße ich auf das Haus der Weisheit, eine Bibliothek und Akademie, die der Kalif Al-Ma'mun ab 825 (unserer Zeitrechnung) in Bagdad aufbaute.
Bagdad war damals schon eine Millionenstadt und mit dieser Einrichtung zog der Kalif Gelehrte aus der gesamten Welt an.
Wissenschaftler unterschiedlichster Herkunft und Religion führten das Wissen der römischen und griechischen Antike mit den Errungenschaften der persischen, indischen und arabischen Kultur zusammen und entwickelten es weiter. Unter ihnen waren Ärzte, Philosophen, Astronomen, Mathematiker und Geografen. Sie machten Bagdad zu einer Wiege des Wissens und einem Hort der Toleranz.
"Es sollte uns nicht peinlich sein, die Wahrheit aufzunehmen, woher sie auch kommen mag. Selbst wenn sie von weit entfernten Nationen kommt, die anders sind als wir."
al-Kindi, Philosoph und Arzt aus dem 9. Jahrhundert
Mir gefällt diese Unvoreingenommenheit von damals, mit der man sich vorstellen konnte, dass andere Kulturen gleichwertige Zugänge zur Erkenntnis haben - und dass diese Denkweisen das eigene Weltbild nicht bedrohen, sondern bereichern. Die Unvoreingenommenheit war vermutlich allerdings nicht groß genug, auch die Wahrheiten von Frauen einzubeziehen.
In dem Märchen hört ein wissbegieriger junger Mann in der Stadt am Ufer des Tigris von einem Weisen, der alle Weisen in dieser Welt übertrifft. Der junge Mann entbrennt vor Sehnsucht, diesen Weisen aufzusuchen und von ihm zu lernen. Er wird ihn schließlich in einer Schmiede finden.
Und weil ich auch wissen will, wie die Gegenstände funktionieren, die dem Helden als Wegweiser oder Prüfung dienen, kenne ich mich inzwischen auch ein wenig mit der Mechanik von Blasebälgen aus. Aber das ist eine andere Geschichte.



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