Krötengeschichten
- ugeuder
- vor 4 Tagen
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Auch in diesem Jahr wandern die Kröten wieder an ihre Laichplätze und ich helfe dabei, sie in meinem Quartier über die Straße zu tragen.

Ich mag es, ihre Kraft zu spüren, wenn ich sie vorsichtig in die Hand nehme, ich mag ihre klare Ausrichtung beim Wandern und natürlich ihre schönen, goldumrahmten Augen.
Schon seit der Antike gelten Kröten als Symbole der Fruchtbarkeit. Im alten Ägypten wurde die Göttin Heket verehrt, die oft mit dem Kopf einer Kröte oder eines Frosches dargestellt wurde. Als Hüterin der Geburt und des Lebens war sie eng mit der jährlichen Nilschwemme verbunden: Mit dem Wasser und dem fruchtbaren Schlamm kamen stets unzählige Kröten und Frösche ins Land. Das machte die Tiere zu einem mächtigen Sinnbild für neues Leben.

Diese Bedeutung hat sich im Volksglauben auch bei uns gehalten. Vor allem in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz brachten Frauen Kröten aus Wachs oder Holz in Kapellen und Kirchen. Diese sogenannten Votivgaben waren stille Gebete. Sie dienten als Bitte um Heilung bei Frauenleiden oder als Dank für eine Geburt. Es waren sogenannte "Gebärmutterkröten", denn lange hielt sich die Vorstellung, dass die Gebärmutter im Frauenkörper wandert, wie die Kröten.
Dass die Kröte nicht nur für Gesundheit, sondern auch für weibliche Anziehungskraft stand, zeigt eine Sage aus dem Spreewald*: Ein junges Mädchen begegnet einer traurigen Kröte, betrachtet sie voller Mitgefühl und streichelt sie. Zum Dank springt das Tier ihr in den Schoß und schenkt ihr ein magisches Versprechen: Sie und all ihre Nachkommen sollen die Schönsten im ganzen Land werden.
Die Sage ist eine kraftvolle Erzählung über die tiefe Verbundenheit zwischen einem jungen Mädchen und einer unscheinbaren Kreatur. Aus der liebevollen Fürsorge und Verbundenheit entspringt ein Segen, der sich wie ein goldener Faden durch die gesamte weibliche Linie zieht und sie mit besonderer Anmut beschenkt.
*Die Sage von der Kröte, aus: Kühn, Der Spreewald, Cottbus 1889
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