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Von blauen Blumen

"... aber die blaue Blume sehn' ich mich zu erblicken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn, und ich kann nichts anders dichten und denken", so heißt es in Novalis' 1802 erschienenen Roman "Heinrich von Ofterdingen". Schon als junge Frau hat mich die blaue Blume als ein zentrales Bild der romantischen Literatur angesprochen. Die blaue Blume steht in der Epoche der Romantik für eine große, kaum zu stillende Sehnsucht nach Verbundenheit mit allem, nach Unendlichkeit, auch für die verloren gegangene Verbindung von Mensch und Natur.


Meine Sehnsucht nach Verbindung mit der Natur hat mich in diesem Sommer schon zu vielen blauen Blumen geführt: zu tiefblauen Enzianen auf einer Wanderung im Bregenzerwald, zum Lichtblau der Wegwarten vor einem hölzernen Scheunentor und zu kobaltblauen Kornblumen in einem Feld.



Kürzlich lag im Briefkasten eine Einladung zum Nachbarschaftscafé des Wohn- und Kulturprojekts "Blaue Blume". Ganz im Sinne der Romantik wollen die jungen Menschen, die das Projekt betreiben, der Welt wieder ihren Zauber zurückgeben. Und sie zitieren auf ihrem Küchenbauwagen ein Gedicht des Romantikers Joseph von Eichendorff.


Auch in einem Märchen kommen blaue Blumen vor. Es erzählt davon, wie die Leinpflanze zu den Menschen kam. Es war - natürlich - das Geschenk einer Göttin. Eine Hirtin gelangt in eine Höhle und trifft dort auf eine Göttin, die einen Strauß himmelblauer Leinblumen in der Hand hält. Die Höhle ist voller Kostbarkeiten wie Gold, Silber und Edelsteinen und die Göttin bietet ihr an, sich etwas auszusuchen. Aber die Hirtin kann den Blick nicht von dem schönen Leinblumensträußchen lassen und so trifft sie eine so bescheidene wie kluge Wahl. Denn die Göttin schenkt ihr den Strauß, dazu einen Beutel mit Leinsamen und lehrt sie, wie Lein anzupflanzen und zu verarbeiten ist. So bringt die Hirtin diese bedeutende Heil- und Nutzpflanze zu den Menschen.



Weil die Leinpflanze auf diese Weise zu den Menschen kam, kam sie schließlich auch zu mir. Vor meinem Fenster wiegt sie sich in ihrer himmelblauen, zarten Schönheit. Und verströmt einen Zauber und eine Magie, die mir fast romantisch vorkommen.













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