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Selbstversuch: Was ist eigentlich eine Spindel?

Aktualisiert: 21. Sept. 2021

Sie haben etwas Magisches: Aus Stroh können sie Gold machen, sie sind die Fahrkarte ins Reich von Frau Holle oder sie versetzen in einen hundertjährigen Schlaf. Jetzt wollte ich es wissen: Was ist eigentlich eine Spindel? Und wie funktioniert sie?

Also habe ich mir eine im Internet bestellt, samt Wolle und Leinen zum Spinnen. Und war überrascht: Ein Häkchen an einem Stängelchen, das in einer Scheibe steckt. Das ist alles. Durch den Drall des Wirtels, also der Scheibe und durch das Verzwirbeln der Fasern entsteht der Faden. Ich gebe zu: nicht sofort, nicht beim ersten Versuch. Und ich bin immer noch auf Stufe eins: erst den Drall herstellen, dann den Drall in das Stück Wolle laufen lassen, das ich ausgezogen habe, möglichst gleichmäßig. Die Kür wäre natürlich, "im Flug zu spinnen", also die Spindel permanent im Schweben und Drehen zu halten und gleichzeitig die Wolle zurechtzuziehen in einer einzigen geschmeidigen, rhythmischen Bewegung. Und mich damit einzureihen in die Generationen von Frauen, die jahrhunderte- und jahrtausendelang auf diese Weise gesponnen haben. Aber magisch ist es auch so: Von einer tiefen Faszination ist es, dass ich einen Faden, den ich spinne, theoretisch endlos lange machen kann - theoretisch, denn seine potenzielle Endlosigkeit wird durch meine eigene Endlichkeit begrenzt. Und dann bin ich plötzlich ganz nah an den uralten Bildern der Schicksalsgöttinen, die den Lebensfaden spinnen.

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